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Impulse & Andachten

Hier finden Sie in der nächsten Zeit immer sonntags kleine Impulse, die ständig aktualisiert werden.

Musik und Texte zum Pfingstfest 2020

Montagsgeschichte für Kinder, 25. Mai

Eine neue Montagsgeschichte für Kinder - erzählt von Bettina und Rebecca.

Musik und Texte zum Sonntag "Exaudi", 24. Mai 2020

Eins sein - Der Podcast zum Himmelfahrtstag

Für die 6. (und vorerst letzte) Folge unseres Podcasts haben Pfarrerin Katja Gabriel und Vikarin Johanna Hestermann einen Überraschungsgast in unser "Studio" am Mirbachplatz eingeladen. Mit diesem Gast kommen sie über die guten ökumenischen Verbindungen bei uns in Weißensee ins Gespräch. 

Anhören kann man sich den Podcast wieder einfach, indem man auf die Überschrift klickt.

 

#beten - Der Podcast, 17. Mai 2020

In der 5. Folge unseres Podcasts geht es ums Beten. Diesmal wieder im Gespräch: Pfarrerin Katja Gabriel und Vikarin Johanna Hestermann. Reinhören kann man über unsere Instagram-Seite. Einfach auf die Überschrift (#beten) klicken und Sie werden weitergeleitet!

Musik und Texte zum Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

Montagsgeschichte für Kinder, 11. Mai

Eine neue Montagsgeschichte für Kinder - erzählt von Bettina und Rebecca.

Digitaler Seminar-Gottesdienst zum Sonntag Kantate

Für alle Menschen, die es heute nicht geschafft haben zu den Kurz-Gottesdiensten in die Pfarrkirche zu kommen, hier der Link zu einem digitalen Gottesdienst, den unsere Vikarin Johanna Hestermann mit ihrem Vikarskollegen Lars Friedrich und unserem Kantor Thomas Lanz zur Übung für das Predigerseminar in Wittenberg  produziert hat.

Befreiung - Der Podcast, 8. Mai 2020

Eine neue Podcastfolge; Pfn Gabriel hat sich anlässlich des 75. Jahrestags des Kriegsendes zwei Gespräche mit Zeitzeugen aus Weißensee geführt: Befreiung

Musik und Texte zum Sonntag Kantate, 10. Mai 2020

Montagsgeschichte für Kinder, 4. Mai

Eine Montagsgeschichte für Kinder - erzählt von Bettina und Rebecca.

Dranbleiben - Der Podcast, 3. Mai 2020

Eine neue Folge des Gemeindepodcasts, diesmal Dranbleiben; mit Pfn Schulz-Ngomane und Vikarin Johanna Hestermann - hier zum Anhören und Herunterladen.

Musik und Texte zum Sonntag Jubilate, 03. Mai 2020

Wege 2020 - Musikprojekt in Weißensee

Lied: „Möge die Straße uns zusammenführen“

Projektlaufzeit: 2. April bis 20. April 2020 

Eingesendete Einzelaufnahmen: 34 Gesangsaufnahmen, mehr als 100 Instrumentalstimmen

Teilnehmende: 73 Menschen ab 6 Jahre aus Weißensee

Weitere Informationen: Projektinfos und DownloadsOrte in Weißensee

Nachfolgen - Der Podcast, 26. April 2020

Eine neue Folge des Gemeindepodcasts, diesmal Nachfolgen; mit Superintendent Kirchner - hier zum Anhören und Herunterladen.

Musik und Texte zum Sonntag Misericordias Domini, 26. April 2020

Nachbohren - Der Podcast, 19. April 2020

Die erste Folge des Nachbohren Podcast - hier zum Anhören und Herunterladen.

Musik und Texte zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

Musik und Texte zum Ostersonntag, 12. April 2020

Osterandacht für Familien und Kinder

Eine Osterandacht als Video - speziell für Familien und Kinder. Gestaltet von Pfrn. Schulz-Ngomane und Kirsten Trappe.

Angedachtes zu Ostern

man singt mit Freuden vom Sieg - des Lebens in den Wohnungen und Gärten


Eigentlich sollte sie nicht nach draußen gehen. Gefährlich war es, wie damals zu Zeiten der Römer für die Anhänger Jesu oder im Krieg, bei der Ausgangssperre und nun, wo sie zur „Risikogruppe“ gehörte. Sie war ja nun alle Tage zu Hause. Die Knochen rosteten langsam ein und gerade hielt sie es gar nicht mehr aus. Seit ihr Mann gestorben war, fiel ihr manchmal die Decke auf den Kopf, besonders an den Feiertagen, wie heute. Um nach dem Grab zu sehen, warf sie sich ihr Tuch um und band sich die Maske vor den Mund – sie wollte raus, der Traurigkeit entfliehen und das Leben suchen! Gestern hatte sie sogar Eier gefärbt, die nahm sie mit und eins der Geschenkbänder. Am Gemeindehaus sollte doch so eine Aktion sein – der Verbundenheit, da konnte sie mitmachen. Eine helle Ostersonne empfing sie und es war angenehm warm. Schon am Nachbarhaus hielt sie an und legte dem alten Herrn ein Osternest vor die Tür, er war ganz allein und freute sich sicher. Das andere sollte die Familie aus Syrien bekommen, deren Kindern sie manchmal zusah vom Fenster. Ob sie mit dieser Tradition etwas anfangen konnten? Als sie zum Mirbachplatz kam, sah sie schon die Bänder im Wind flattern. Wie schön, dass noch eine Familie da war. Sie grüßten sie freundlich und ihr wurde schon leichter ums Herz, als sie ihr Band an das Kreuz knüpfte. Kam es nicht ursprünglich von der Bethanienkirche, in der sie getauft worden war? Sie wusste gar nicht mehr, wie lang der Weg war bis zur Kirche, aber sie würde doch gern das Osterfenster sehen, das jetzt die Kirche in ein herrliches Licht tauchen würde. Zwischen blühenden Bäumen grüßte sie den Panter, der ihr nachsah und kam an den See. Sie drückte erschrocken die Maske vor den Mund, als sie das bunte Gewimmel von Menschen sah. Leise zitierte sie den „Osterspaziergang“ von Goethe: „Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn“ und nickte, denn ´sie war selber auferstanden  aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern´ und nun war sie hier unter Menschen, am glitzernden See. Sie erinnerte sich an die Nachrichten von gestern. Es hatte sie berührt zu sehen, wie auf der ganzen Welt zurück gesteckt wurde - in der Wirtschaft, der Kultur, in den Familien und sogar der Kirche – um das Leben zu retten. „Das ist es wert“, sprach sie  vor sich hin und lachte laut, als die Enten erschrocken aufflogen. Sie spürte, dass sie es nicht mehr zum Friedhof schaffen würde und auch nicht zur Kirche. Sie würde gleich schließen und ihre Beine taten schon weh. Aber hatte sie nicht einen Brief der Gemeinde bekommen mit einer Abbildung des Osterfensters? Als sie an dem kleinen Café vorbeikam, beschloss sie ein Brot zu kaufen, das sie dort selbst backen, um wenigstens etwas zu verdienen. Es war noch warm und duftete köstlich. Ohne Maske vorm Gesicht hätte sie sich schon längst ein Stück abgebrochen zum Kosten. Doch das hob sie sich auf. Gleich würde sie nach Hause kommen, das Bild vom Ostermorgen auf den Tisch stellen und das warme Brot anschneiden – etwas Butter dazu und ein buntes Osterei – Halleluja!

„Dies ist der Tag, den der Herr macht. Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“ (Psalm 118)
Ihre Pfarrerin Schulz-Ngomane

Musik und Texte zur Osternacht, 11. April 2020

Kreuzgedanken

Kreuze stehen auf Kirchtürmen
sie hängen an der Wand oder als Kette um den Hals
dieses aber steht im Garten
da, wo alles begann
als Jesus verraten wurde
allein gelassen und voller Angst
dabei war er dem ´Himmel´ ganz nah
wie dieses Kreuz – auf der Turmspitze der Bethanienkirche
es hielt aus- während der Zerstörung der Kirche
oben auf der Ruine des Turms
bis zur Renovierung
da war es plötzlich verschwunden
bis einer nachfragte und suchte
durch die ganze Stadt fuhr der beherzte Christ
und fand es abgestellt und vergessen -
eingepackt im Kofferraum
kam es nach Hause
und steht nun auf dem Sockel
zur Erinnerung
an die Verratenen,
die Alleingelassenen,
die in Angst leben
und doch dem Himmel ganz nah sind
weil Jesus mit ihnen am Kreuz hängt
weint und betet und stirbt
am Morgen aber
wenn die Sonne aufgeht
kommt er wieder
und bringt das Leben
im Garten
zurück.

Musik und Texte zum Karfreitag, 10. April 2020

Angedachtes zum Gründonnerstag, 9. April

Gedeckte Tische in der Pfarrkirche. Salate, Aufstriche, Gekochtes, Geschnippeltes, Duft steigt in die Nase. Mittendrin Brot und Traubensaft, darum herum viele Menschen. Alte und junge, die miteinander essen, reden, singen, beten. So war es sonst am Gründonnerstag, so hatten wir es uns auch für dieses Jahr wieder vorgestellt. Viele von uns waren schon voller Vorfreude. Das Gefühl der Tischgemeinschaft ist immer ein besonderes. „Endlich mal nicht allein am Essenstisch sitzen“ Solche Sätze habe ich noch genauso im Ohr wie „Hier sitze ich mit Menschen, mit denen ich noch nie gesprochen habe“.

Zusammenkommen, essen, sich verbunden wissen miteinander. Verbunden durch den, der uns einlädt zu diesem Mahl: Jesus Christus. Damals, am Abend vor seinem Sterben am Kreuz, hat er seinen Jüngern ein Zeichen gegeben. In Brot und Wein bin ich unter Euch, in Brot und Wein bin ich in euch lebendig, auch über mein Sterben hinaus. Verbundenheit, auch wenn ihr mich nicht seht.

„Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Mt. 26,26-28)

Ein Zeichen, um nicht zu vergessen, um sich zu vergewissern, um es am ganzen Leib zu spüren. Zeichen können heilsam sein und trösten.

In diesem Jahr können wir am Gründonnerstag nicht zu diesem Zeichen zusammenkommen, schon gar nicht aus einem Kelch miteinander trinken. Wir wissen nicht, wann wir das wieder tun werden. So wie die Jünger damals auch nicht wussten, wann und ob sie Jesus wieder sehen werden. Doch wir wissen, was sie damals noch nicht ahnten: Das Kreuz ist nicht das Ende, es ist der Anfang von Gottes Heil für uns Menschen. Wir dürfen voller Zuversicht sein und hoffen und wir dürfen uns verbunden wissen in aller Distanz, verbunden durch Christus.

Darum haben wir ein Seil gespannt. Es hat seinen Anfang am Kreuz im Vorgarten des Gemeindehauses und läuft dort am Zaun entlang. Es ist auch ein Zeichen. Es ist, wie die Seele eines noch viel stärker werdenden Seiles, ein Zeichen für Gottes Geistkraft, die uns verbindet. Jede/r von uns kann zum Gemeindehaus kommen und ein buntes Band mitbringen und dies an das Seil binden, es umwickeln, an andere Bänder anknüpfen. So entsteht ein großes sichtbares Zeichen der Verbundenheit in Christus.

So können wir doch zueinander kommen auch und gerade in diesen Tagen. Seid eingeladen zum Fest des Glaubens!

Ihre Bettina Walzer, Gemeindepädagogin

 

Angedachtes zum Palmsonntag, 5. April 2020

Alles ist anders…

 

…dieses Jahr. Heute feiern wir Palmsonntag, die Karwoche beginnt. Wir gehen zu auf das wichtigste Fest der Christ*innenheit. Und eigentlich wollten wir diese Woche besonders werden lassen. Da sollten Palmzweige Kirchen schmücken, Kreuzwege und Tischabendmahle gefeiert werden, Vorbereitungen auf Ostern uns erfüllen. Und jetzt darf nichts davon stattfinden. Alles steht still. Alles ist anders dieses Jahr.

Anders ist aber auch Jesus selbst. Er zieht ein in Jerusalem. Wird mit Palmzweigen jubelnd begrüßt. Und doch ist von königlicher Pracht keine Spur. Im Gegenteil: „Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich auf ihn, wie geschrieben ist: ›Fürchte dich nicht, Tochter Zion, siehe, dein König kommt, sitzend auf einem jungen Esel.‹ Dies verstanden seine Jüngerinnen und Jünger zuerst nicht, aber als Jesus in göttlichem Glanz war, da erinnerten sie sich, dass dies über ihn geschrieben war und dass die Leute dies für ihn getan hatten.“ (Joh 12,14-16)


Anders als erwartet zieht Gott also in diese Welt ein. Genau das erinnern wir Palmsonntag. Und sehen bei uns selbst hin, wo Gott auch bei uns unerwartet und unerkannt eingezogen ist. Es muss nicht unter Palmen sein. Und es muss nicht auf einem Esel daherkommen. Es kann gerade jetzt ein helfendes Telefonat, eine wunderbare Online-Andacht oder ein Lebensmittelbeutel von „Laib und Seele“ vor der Tür sein. Vielleicht merken wir es nicht sofort. Doch das ist nicht schlimm. Auch die Menschen in Jerusalem wussten mit Sicherheit nicht genau, wer da vor ihnen stand. Erst im Licht von Ostern erkannten sie, wer Jesus wirklich ist. Bemerkten Gott, der mitten unter ihnen ist. Und wir haben das Glück, es schon zu wissen. Wir wissen, dass es Gott ist, der in unser Leben Einzug halten will. So wie Jesus in Jerusalem. Also lassen Sie uns Ausschau halten und unsere Türen öffnen. Auch wenn alles anders ist dieses Jahr.

Herzlich, Ihre Pfarrerin Ulrike Telschow

Musik zum Sonntag Palmarum, 05. April 2020

Angedachtes zum Mittwoch, 1. April 2020

 

 

„Gott, ich bitte dich…“ Mit diesen Worten, beginnen vielleicht die meisten Gebete. In diesen Wochen sind die Bitten sicher oft verbunden mit den Sorgen, die im Zusammenhang mit dem Virus einhergehen. Auch in der Öffentlichkeit werden die Bitten und Gebete sichtbarer. Auf Instagram Posts, auf Plakaten an Kirchen oder als Einladung, sein Gebet vor Gott zu bringen, so wie bei uns, zu den Zeiten der offenen Pfarrkirche.

Wenn es einem die Sprache verschlägt, können solche Anfänge wie ein Türöffner sein, eine Einladung, um mit Gott und sich ins Gespräch zu kommen.

Von der Zuversicht beim Beten, so ist ein Abschnitt im Matthäus- Evangelium überschrieben. „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“

Eine offene Tür. Eine Einladung einzutreten für einen kurzen Plausch, für eine ausgiebige Unterhaltung oder vielleicht nur ein Gespräch zwischen Tür und Angel, zwischen Supermarktkasse und Heimweg. Gott hält die Tür auf. Er verschließt sich nicht. Er öffnet einen Raum, in dem unsere Gebete ihren Platz haben können. Die Trauer, die Verzweiflung, die Wut, die Hoffnungslosigkeit, die Sehnsucht nach einem Lichtblick. Der Eintritt in diesen Raum, in dieses Gespräch mit Gott kann dieser Satz sein: „Gott, ich bitte dich …“  Und dann?

Die innere Logik dieser Verse scheint so einfach: suchen – finden, bitten – empfangen.  Im Thomas- Evangelium, welches nicht Teil der Bibel ist, wird dieser Satz Jesu auch erzählt; nur etwas anders. Manchmal hilf der fremde Blick auf das Eigene, um eine andere Perspektive zu gewinnen. Dort heißt es verkürzt: wer sucht der findet und wer findet, wird in Verwunderung geraten/ wird sich wundern. Wir werden Verwundert sein! Es ist nicht die Zusage, dass alles 1 zu 1 erfüllt wird. Die gibt es auch bei Matthäus nicht. Es ist die Zuversicht, dass wir etwas finden und empfangen werden. Eine Einladung, im Gespräch zu bleiben und immer wieder anzuklopfen mit Worten wie diesen: „Gott, ich bitte dich…“

Ihr Diakon Matthias Reim

Angedachtes zum Sonntag Judica, 29. März 2020

„Mäh“, blökt der Ziegenbock im Freiluftgehege. „Mäh“, stimmen die Kinder mit ein, die (schön mit 1,5m Abstand zueinander) vor dem Zaun stehen und das Tier beobachten. Auch ich schaue dem bärtigen Paarhufer zu und denke daran, was jetzt in manchen Zeitungsartikeln anfängt aufzublitzen: Die große Suche nach dem Sündenbock hat begonnen. Schon vor über zwei Wochen wurde Corona erstmals als „ausländisches“ Virus bezeichnet. China habe diese Seuche auf die Welt losgelassen, kann man nun von amerikanischen Politikern hören, deshalb müsse China auch dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Die chinesische Seite giftet zurück, Corona sei keineswegs „chinesisch“, es seien amerikanische Soldaten gewesen, die den Erreger nach Wuhan trugen.
„Letztlich sind wir selbst schuld“, lautet die etwas vornehmere Variante dieser Sündenbock-Suche,  unsere moderne Lebensweise habe uns den Schlamassel beschert: Zu viele globale Abhängigkeiten, zu liberale Gesellschaftsformen… und ist der Ursprung des Virus nicht letztlich aus der menschlichen Luxus-Sucht entsprungen? - Die Pandemie als Strafe für unsere Zivilisation, die schon vorher dem Untergang geweiht war?!
Der Ziegenblock blökt und reißt mich aus meinen Gedanken.

„Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“
Dieser Predigttext für den Sonntag Judika stammt aus dem Hebräerbrief. Darin wird erzählt, wie Jesus der Tradition ein Ende macht, immer wieder einen Sündenbock auszuwählen und ihn stellvertretend für alle in die Wüste zu schicken.
Das hat man wohl so gemacht im alten Israel, als es noch einen Tempel in Jerusalem gab: Einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag, belud der jeweilige Hohepriester einen Ziegenbock mit allen Sünden des Volkes und dann wurde dieser buchstäblich in die Wüste gejagt, wo er zu Tode kommen musste.
Im Hebräerbrief ist Jesus selbst der Hohepriester und statt sich wie jedes Jahr einen Sündenbock zu suchen, opfert er sich selbst. Seine Botschaft lautet: Hört auf damit, immer einen Schuldigen zu suchen.

Draußen vor dem Tor des Krankenhauses stehen sie in Schlangen, immer schön mit 1,5m Abstand. Ab und zu wird die weiße Plane vor dem Zelt am Eingang zur Seite geschoben und die Nächsten dürfen eintreten zum Corona-Abstrich-Machen. Während ich in meiner staatlich angeordneten Selbstisolation sitze, kann ich live miterleben, wie das Virus sich weiter ausbreitet, wie das medizinische Personal in Krankenhäusern in Bergamo und New York Alarm schlägt: Zu viele Patienten, zu wenig Beatmungsgeräte… Es ist schwer erträglich das mit anzusehen.
Draußen vor dem Tor, da wird auch heute noch gelitten und Gott ist da und leidet mit.

„Lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen“. Jesus hat sich mit uns solidarisiert, jetzt sollen auch wir solidarisch werden. Er hat eine neue Ära ermöglicht, eine ohne Schuldige. Das heißt aber auch: Eine Ära, in der wir die Verantwortung auf niemanden abwälzen können.
Natürlich darf man nach Ursachen fragen, natürlich darf man Missstände kritisieren (hat Jesus zu Lebzeiten ja auch gemacht), aber: Wir sind - mehr denn je - herausgefordert zusammen zu arbeiten (trotz Distanzgebot).
In dieser Krise haben wir keine bleibende Stadt, die zukünftige, die müssen wir erst noch suchen - gemeinsam.

Ihre Vikarin Johanna Hestermann

Musik zum Sonntag Judica, 29. März 2020

Impuls zum Mittwoch, 25. März 2020

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft

Psalm 62,2-9: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.  Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde.  Wie lange stellt ihr alle einem nach, wollt alle ihn morden, als wäre er eine hangende Wand und eine rissige Mauer? Sie denken nur, wie sie ihn von seiner Höhe stürzen, sie haben Gefallen am Lügen; mit dem Munde segnen sie, aber im Herzen fluchen sie. Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre,  der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott. Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.

Still ist es geworden, in meinem Haus und dort gegenüber. Auf der Straße fahren weniger Autos, nur vereinzelt laufen Menschen in großen Abständen hastig vorbei. So manches Mal sehe ich zu den stillen Fenstern und stelle mir vor, wie es ihnen gehen mag, den Familien, deren Kinder durch die Zimmer rennen mit ihrem starken Drang nach Bewegung. Ich ahne, dass nicht überall so viel Leben ist. Die Älteren sitzen sicher vor dem Fernseher  und  trauen sich nur noch selten hinaus, schon wegen der Blicke der Jüngeren auf die „Risikogruppe“. Dem Alleinlebenden fällt vielleicht manchmal  „die Decke auf den Kopf“ trotz Netflix und  Videokonferenz und im Homeoffice stellen sich so manche die Frage, wie lange das noch gut gehen wird, beruflich und privat. Und dann sieht eine Mutter besorgt auf den Jungen, der nun doch Fieber hat, auch Husten - und die Angst vor dem Virus ist in der Wohnung.    Bei mir ist es still, wenn ich aus dem Fenster sehe. Die Häuserwand gibt die Geschichten nicht preis, die sich dahinter verbergen. Ich fürchte mich vor den Folgen dieser Krankheit, wenn sie um sich greift, wenn die Menschen die Nerven verlieren auf so engem Raum, wenn noch mehr sterben müssen und die Existenz derer bedroht ist, die nicht mehr verdienen können. Es ist Passionszeit.

Doch dann blicke ich auf und atme tief durch, als ich den kleinen Engel am Fensterrahmen sehe. „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft“. Er hört mir zu und ist da auch in der Zeit des Leidens. Geborgen kann ich mich fühlen bei Gott, wie in einer warmen Wohnung. Nun blicke ich anders aus dem Fenster. Überall sehe ich kleine Engel aktiv werden, wenn sie kochen und basteln füreinander, die Telefonliste durchsehen nach Menschen, die unbedingt mal wieder angerufen werden müssen, die Briefe schreiben am Computer oder sogar auf Papier und ein Inserat aufgeben, um ihre Hilfe anzubieten auf nebenan.de oder bei der Kirchengemeinde. Sie stellen sich dem aggressiven Virus entgegen und allen Lügenmärchen, die eine Panik heraufbeschwören. Sie appellieren an Vernunft und verbreiten Hoffnung. Manchmal geht sogar ein Fenster auf und ich höre ein Klatschen, eine Melodie. Dann weht ein Lachen über die Gesichter und ich freue mich auf die Sonne, die schon wieder auf uns wartet - nach Ostern und uns ins Leben ruft. Danke für die Pause am Fenster - bete ich, für die Stille, die heilsam ist für meine Seele, Sei unser Fels, unsere Hilfe und Schutz, damit wir nicht wanken werden! Die letzten Verse des Psalms spreche  ich am offenen Fenster: Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.
Amen

Ihre Pfrn. Dorothea Schulz-Ngomane

Angedachtes für den Sonntag Laetare, 22. März 2020

AUSBLICK

Ich schaue aus dem Fenster meines Büros. Mein Blick fällt auf die sattgelben Blüten der Forsythie. Schräg gegenüber vor der Eisdiele hat sich eine lange Schlange gebildet. Kinder warten an der Hand der Eltern auf das erste Eis der Saison. Unter der Turmruine sitzen einige Jugendliche auf dem Rasen in der Sonne. Kein Zweifel: Der Frühling ist da. Das Leben ist zurückgekehrt an den Mirbachplatz.

Auf dem Computerbildschirm vor mir erscheinen die aktuellen News. Mein Blick fällt auf eine Kugel mit roten Stacheln. Darunter ein Foto von einer Menschenschlange, die sich vor einer Berliner Corona-Teststelle gebildet hat. Der Petersplatz in Rom- wie ausgestorben.
Kein Zweifel: Die Epidemie ist da. Das todbringende Virus ist angekommen in Europa und in Berlin.

Bilder von Lebensfreude und von Todesgefahr direkt nebeneinander. Gar nicht leicht diese zusammenzubekommen, denn wenn ich aus dem Fenster schaue, scheint alles in bester Ordnung und wenn ich auf den Bildschirm sehe, bekomme ich Angst. Also, was tun? Wohl genau das: beides im Blick behalten. Nachrichten sehen. Nicht die Augen verschließen vor dem, was auf uns zukommt. Aber nicht nur auf den Bildschirm starren, sondern auch mal aufsehen und aus dem Fenster schauen, um den Blick für das Schöne, das Hoffnungsvolle und das Leben nicht zu verlieren.

Ich schaue ins Gottesdienstbuch und lese den Spruch der Woche, den Satz der über dem Sonntag Laetare steht. Johannes 12,24: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.   
Dieser Satz gibt einen Ausblick auf etwas, was wir heute noch nicht sehen können, weder in den Nachrichten noch beim Blick aus dem Fenster. Er zeigt uns, wie es kommen wird. Denn so wie aus einem sterbenden Korn ein Halm wächst und aus toten Ästen, gelbe Blüten hervorsprießen, so kehrt das Leben immer wieder zurück. Und so wird, wenn die Corona-Krise erstmal vorbei ist, die Schlange vor der Eisdiele schräg gegenüber sicher noch länger sein und Jugendliche werden wieder in Gruppen auf dem Rasen sitzen.
Ich sehe es schon vor mir und ich hoffe Sie auch. Verlieren Sie nicht aus dem Blick, wie es sein wird, wie schön es wieder wird. Malen Sie es sich und Ihren Lieben immer wieder vor Augen. Freut Euch über den Ausblick.

Ihre Pfrn. Katja Gabriel

Musik zum Sonntag Laetare, 22. März 2020

Letzte Änderung am: 30.05.2020