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Israelreise 2020

Bald wírd sich eine Gruppe aus unserer Gemeinde auf den Weg machen nach Israel. Von dieser Reise (Ende Januar, Anfang Februar) wird es hier - im besten Fall täglich - verschiedene Eindrücke und Berichte geben.

Reiseplan

30. Januar:
Anreisetag, Tel Aviv, Jaffa

31. Januar:
Caesarea Maritima, Karmelgebirge, Akko, See Genezareth

1. Februar:
Heilige Stätten, Jesus-Trail. Magdala

2. Februar:
Safed, Huletal, Golanhöhen, Weinprobe

3. Februar:
Beit Shean, Massada, Totes Meer

4. Februar:
Jerusalem - Altstadt

5. Februar:
Bethlehem, Jerusalem - Neustadt

6. Februar:
Heimreise

 

30. Januar - „Reise nach Jerusalem“

Anders als beim o.g.Spiel hatte heute morgen zum Glück jede*r Reiseteilnehmer*in einen Platz im Flugzeug nach Tel Aviv!
Wie wir kurz vorher erfuhren, reiste mit uns der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin zurück, der zuvor in Berlin zu Gast war.
Ein Staatsmann fliegt „Linie“! Nachahmenswert, finden wir.

Und: Sicherer kann man nicht unterwegs sein - unser Eindruck nach erfolgter Befragung und mindestens sechs Passkontrollen. Dank guter Vorbereitung konnten auch Fragen nach Vornamen nicht mitreisender Ehemänner fehlerfrei beantwortet werden. Die Symbolik der verschiedenen Sicherheitsaufkleber wird sich uns sicherlich noch erschließen. Kurzum:
Horizonterweiterung ab der ersten Minute!

25 Minuten früher als geplant landeten wir bei 19 Grad und Abendsonne in der Stadt auf dem Frühlingshügel (Tel-Hügel, Aviv-Frühling). Mit Rina (Reiseleiterin) und Rahal (Busfahrer) ging es auf eine erste Runde durch den Stadtteil von Alt-Jaffa. Am Haus von Simon dem Gerber hörten wir die Geschichte von Petrus und Tabitha.

Nach dem ersten koscheren Abendessen bummelte eine Runde nimmermüder Wissensdurstiger auf eine letzte Runde durch die Altstadt von Tel Aviv.
Wir starten morgen 8 Uhr Richtung Norden nach Caesarea, wir sind gespannt auf den Besuch eines Drusendorfes im Karmelgebirge.

31. Januar - 2000 Jahre Geschichte an einem Tag in Caesarea und Akko

Frühstück nach den jüdischen Speisegesetzen ( Kashrut) bedeutete heute Morgen für uns eine große Auswahl an Antipasti: gedünstete mediterrane Gemüsesorten, Hummus, Baba ganush (Auberginenpaste mit Rauchgeschmack) und Shakshuka (wen es interessiert schaue einfach nach :-)). Die ersten stöhnen schon über die unfreiwilligen Mitbringsel auf den Hüften, und da wir ja am Vorabend erst gegen 20 Uhr Abendbrot hatten, wäre es wohl vernünftiger gewesen, " nur das Auge essen zu lassen".
Aber wer möchte schon vernünftig sein? 
Stattdessen haben wir beschlossen, dass ein Urlaubssouvenir vielleicht auch ein (oder auch zwei) Kilo mehr auf der Waage sein darf.

Unser erster Besichtigungsort heute war Caesarea, ca 40 km nördlich von Tel Aviv gelegen. Herodes gründete diesen Ort im Jahr 10 vor Christus zu Ehren des Kaisers Augustus und machte ihn mit der Errichtung eines monumentalen Hafens zu einem wichtigen Handelszentrum.
Er ließ unter anderem ein Amphitheater bauen und sorgte mit Märkten und einem Hippodrom für die Belustigung seiner Untertanen. Wir besichtigten die noch erhaltenen Anlagen und bestaunten das tosende Mittelmeer. 
Nächster Halt war im Karmelgebirge (Karmel bedeutet 'Obstgarten Gottes'), wo wir während einer kleinen Schluchtenwanderung die reichhaltige Fauna bewunderten.
Lorbeerhaine, Erdbeerbäume und Salbei säumten unseren mitunter glitschigen und abschüssigen Weg.

In einem drusischen Dorf kehrten wir zum Mittagessen ein. Wir wissen jetzt, dass die Drusen sich als Kinder des ägyptischen Priesters Jitro verstehen. Mitglied der drusischen Gemeinschaft wird man ausschließlich durch Geburt.

Nächste Station in Akko, einer Hafenstadt, die heute hauptsächlich von arabischen Muslimen bewohnt wird. Wir besuchten die Kreuzritterfestung mit ihren unterirdischen Gängen. Da wir etwas spät dran waren, standen wir beim Ausgang vor verschlossener Tür und lösten (unbeabsichtigterweise) erst einmal Alarm aus. Dank Rinas Vermittlung konnten wir aber sowohl die befürchtete Strafe abwenden als auch eine Verlängerung der Öffnungszeit rausschlagen. Leider ging die Hälfte der Gruppe im Gassengewirr der Altstadt verloren. Am Ende fanden sich alle wohlbehalten am Ausgangstreffpunkt wieder ein.

Mit dem Blick auf die Lichter der Golanhöhen und der Überquerung des Jordan trafen wir im Kibbuz Shaar Hagolan in der Nähe des Sees Genezareth gut geschafft ein. Was für ein Tag! Nachdem wir ihn bei einem Wein/Bier und mit einer Miniandacht haben ausklingen lassen, liegen jetzt wohl alle geschafft in ihren Betten.

1. Februar - Rund ums Wasser

Unser Kibbuz wird von ca. 552 Menschen bewohnt und betreut, einige erinnert es an ein DDR-Pionierlager. Auf dem Gelände verteilt stehen ca. neun Gästehäuser mit Miniwohnungen, Terrasse, und für alle gibt es ein beheiztes Schwimmbad. Einer aus der Gruppe hat es heute morgen sogar da hin zum Frühsport geschafft.

Der Tag heute sollte etwas ruhiger werden. Er bescherte uns eine Stunde länger Schlaf, Treff war 9 Uhr zum Einkauf für unser Picknick. Eigentlich ist heute Sabbat, d.h. jüdische Läden haben geschlossen. Für "Notfälle", erklärte uns Rina (unsere israelische Reiseleiterin), gibt es den arabischen Supermarkt! Also wurde eingekauft: Brot, Käse in Salzlauge, Obst und Gemüse, Humus, Auberginencreme und schon mal Wein für abends, der hier in großer Auswahl und auch günstiger als im Kibbutz zu haben ist. Das muslimische Alkoholverbot wird also genauso ernst genommen, wie die Sabbatregeln - eine interreligiöse Lektion für uns. ;)
Nächster Halt ist am Jordan, der an dieser Stelle aus dem See Genezareth fließt. Wir fühlen uns fast ein wenig wie im Spreewald (siehe Foto), lediglich die bis zu 50 cm großen afrikanischen Raubwelse im Wasser gibt es wohl nur hier.
Rina berichtet von reichlichen Regenfällen und Überschwemmungen in den letzten Wochen und dass die Israelis immer gespannt auf den Wasserstand des See Genezareth schauen. Dieser wird täglich in den Nachrichten bekannt gegeben. Der See, er ist der am tiefsten gelegene Süßwassersee der Erde, 211 m u.M.,  ist das einzige Wasserreservoir für das Land. Außerdem wird, gemäß des Friedensvertrages, auch Jordanien von hier aus mit Süßwasser versorgt. Ein kostbares Gut also!

Im Tagesverlauf zeigte sich, dass wir auch heute wieder großes Glück mit dem Wetter hatten: Regen während der Busfahrten, Sonne und warmer Wind beim Wandern.
Für uns ging es nun zu Fuß weiter auf einem Stück des Jesus-Weges über Tabgha weiter nach Kapernaum. Wir besichtigten in Tabgha die Brotvermehrungskirche. Hier war es, wo Jesus mit fünf Brotlaiben und zwei Fischen 5000 Menschen speiste.
In Kapernaum sahen wir die Mauern des Hauses von Petrus und standen in der Ruine der Synagoge. An beiden Stätten hörten wir von Bettina die entsprechenden Geschichten aus der Bibel.
Dann war es Zeit für eine Pause, und in Anbetracht der aufziehenden Wolken organisierte uns Rina einen überdachten Picknickplatz mit Blick auf den See Genezareth. Zu unserem Glück, denn es regnete während des Essens in Strömen.  Wir ließen es uns schmecken, nach arabischer Art (fast) besteckfrei und mit Freude am Teilen und Verteilen.
Auf dem Berg der Seligpreisungen wurden wir vom spontanen Auftritt eines russischen Chores überrascht. Genauso spontan wurde der Chor von unserem "Thomas-Kantor" nach Berlin eingeladen. Vielleicht wird ja wirklich was draus.
Angeregt durch Bettinas Erinnerung an die Worte der Bergpredigt, sammelten wir gute Gedanken und Wünsche für unsere weitere Reise.

2. Februar - Vom Geist der Kabbala zum Geist des Weines

Heute ging es zunächst nach Safed, neben Hebron, Tiberias und Jerusalem eine der wichtigsten Stätten des israelischen Judentums und Kabbalismus. 1492 waren die Juden vom spanischen Königshaus aus Spanien vertrieben worden. Diese zum großen Teil aus Wissenschaftlern, Ärzten und anderen Hochgebildeten zusammengesetzte Gemeinschaft entwickelte mit der Kabbala (bedeutet soviel wie 'Übernahme') einen mystisch-wissenschaftlichen Ansatz zur Auslegung der Thora und damit auch zur Erklärung ihrer Vertreibung. Safed in den Hügeln Galiläas wurde bald zum Zentrum für bedeutende Rabbiner aus der ganzen Welt. Davon zeugen unter anderem heute noch zahlreiche Synagogen in Safeds Altstadt mit ihrer faszinierenden Symbolik. Wir erfuhren hier, wie mit speziellen Federkielen heute noch von Hand die Verse der Thora auf Pergament geschrieben werden (ausschließlich durch praktizierende und gläubige Juden) und nach der Fertigstellung zusammengenäht werden.

Während der Busfahrten zwischen den Stationen klärte Rina uns über die jüngere wechselvolle Geschichte Israels auf, unter anderem über die Staatsgründung 1948 durch die Vereinten Nationen sowie die bis heute andauernden Auseinandersetzungen mit der arabischen Welt.

Das Kontrastprogramm zu den diversen Stadtrundgängen folgte in Form eines Spaziergangs im Naturschutzreservat Hulatal, wo wir unter anderem possierlichen Nutrias beim Fressen und Spielen zusahen.

Während der Weiterfahrt auf die Golanhöhen zum Coffee Anan konnten wir einen Eindruck vom syrisch-libanesischen Grenzgebiet zu Israel gewinnen. Auf der kurvenreichen Fahrt bestaunten wir die schneebedeckten Gipfel des Hermon, mit 2.814 m der höchste Berg Syriens. Von einem Aussichtspunkt auf den Golanhöhen fühlten wir uns den Grenzzäunen zum Greifen nahe. Den ganzen Tag schon freuten wir uns auf den krönenden Abschluss: die Weinprobe in der Golan Heights Winery. 1976 gegründet, produziert diese heute 5 Mio. Flaschen Wein jährlich für die ganze Welt. Da hier ausschließlich koscherer Wein hergestellt wird, müssen alle Mitarbeiter gläubige Juden sein.

In diesem Sinne: L'chaim! (Auf das Leben! oder einfacher: Prost). Wir setzen die Weinprobe nun im Kibbutz mit den erstandenen Köstlichkeiten fort.

3. Februar - Auf nach Süden

Unsere Weckzeit entspricht inzwischen einem normalen Arbeitstag: 6.30 Uhr. Vor uns liegen heute mehrere Buskilometer und einige Höhenmeter.

Denn es geht nach Süden zum Toten Meer, bis zu 430 m u. M. gelegen. Die Festung Massada hingegen werden wir mit einer Seilbahn erreichen, die uns von der Höhe des Toten Meeres auf 60 m über dem Meeresspiegel bringt. Macht 490 Höhenmeter plus die Auffahrt nach Jerusalem, das auf 826 m über dem Meeresspiegel liegt. Hoch hinaus also…

Unser Bus stoppt heute erstmals in Beit She'an im Jordantal. Hier besichtigen wir die flächenmäßig größten antiken Ruinen Israels, von denen bisher nur ein kleiner Bruchteil freigelegt wurde. Hier sieht es stellenweise noch genauso aus wie vor 1800 Jahren. Für uns völlig ungewöhnlich, konnten wir sogar auf den Mosaiken flanieren.

Weiter ging es Richtung Süden ans Tote Meer durch das Westjordanland. Das Passieren des Checkpoints war unkompliziert, da wir als Touristenbus leicht identifizierbar waren.

Jericho sahen wir aus der Ferne, ebenso die Höhlen von Qumran. Hier wurden von einem Beduinenhirten 1947 die mehr als 2000 Jahre alten Schriftrollen vom Toten Meer gefunden. Auf ihnen ist u.a. das Leben Jesu in Judäa niedergeschrieben und Geschichten, die es nicht in die Bibel geschafft haben.

Die Grenze zwischen Jordanien und dem Westjordanland/Israel wird durch den Jordan gebildet. Da dieser im Jahresverlauf unterschiedlich viel Wasser führt, verschiebt sich der Grenzverlauf regelmäßig.

Wir liegen gut in der Zeit und machen noch einen Abstecher zur Taufstelle Jesu (durch Johannes) am Jordan. Jordanien und Israel sind sich noch nicht einig, an wessen Ufer die Taufe tatsächlich stattfand. Der Jordan fließt z.Zt. schnell und hat einen hohen Wasserstand, deshalb hängen Schläuche mit Jordanwasser bereit, die rege von den Besucher*innen genutzt werden.

Auf dem Weg zur Taufstelle bekommen wir durch Stacheldrahtzäune und Hinweisschilder auf Landminen eine Ahnung von den kriegerischen Handlungen, die dieses Gebiet in der Vergangenheit immer wieder erschüttert haben.

Unsere Mittagspause legen wir am Toten Meer ein. Einige nutzen die Zeit natürlich für ein Bad im Wasser, welches einen Salzgehalt von 31% hat und auf der Haut einen öligen Film hinterlässt. Inzwischen haben wir 23 Grad Lufttemperatur und das Wasser scheint genauso warm zu sein. Für alle ist es ein besonderes Erlebnis: einfach nichts zu tun und oben zu schweben. Wir fühlen uns wie am Wei-Ki-Ki-Beach (Weissenseer-Kirchen-Kibbuz).

Bettina empfiehlt uns als Mitbringsel noch die Produkte vom Toten Meer der Kosmetikfirma Ahava, hebräisch für "Liebe". Also ihr Lieben daheim, freut euch schon mal.

Letzter Stopp ist an der Festung Massada, welche von zentraler Bedeutung für die Israelis ist. Erbaut durch Herodes, fiel Massada kurzzeitig in die Hand jüdischer Widerstandgruppen. Im Jahre 70 nach Christus erobert der römische Stadthalter Flavius Silva die Festung nach zweijähriger Belagerung zurück. Die Verteidiger der Festung, ca. 920 Juden/Hebräer, zogen den Freitod vor, um der römischen Sklaverei zu entgehen. Damals wie heute gilt Masada als Symbol für den ungebrochenen Überlebenswillen und die Widerstandkraft der Israelis. Heute wie damals gilt: "Masada darf nie wieder fallen!".

Unser Busfahrer Rahal chauffierte uns erneut nervenstark und präzise in die letzte Parklücke direkt vorm Hotel in Jerusalem, wir honorierten es mit einem kräftigen Applaus.

4. Februar - Wohnst du noch oder lebst du schon - Ikea goes Jerusalem

Nach einem opulenten Frühstück fährt uns Rahal heute nur ein kurzes Stück mit dem Bus auf den Ölberg. Den Rest des Tages werden wir zu Fuß die Stadt erkunden. So wird der Blogeintrag heute auch im Telegrammstil erfolgen, da uns die Busfahrt zum Tippen fehlt und mit Rahal und dem Bus auch das WLAN wegfährt.

Einen ersten Ausblick über Jerusalem haben wir auf dem Berg „Scopus“. Scopus bedeutet Blick und der reicht wirklich bis zum Toten Meer! Auch sehen wir hier zum ersten Mal ein Stück der von Nethanjahu erbauten Mauer, die Jerusalem von palästinensischen Siedlungen trennt.

Vom Ölberg bietet sich uns ein Postkartenpanorama: wir sehen die Al Aqsa Moschee, den Felsendom, die Synagogen und das Kidrontal (Schattental).

Im Bereich des Tals sehen wir einige Friedhöfe. Die Altstadt Jerusalems hingegen liegt immer in der Sonne. Durch Rinas Erklärungen verstehen wir, dass Jerusalem an einem besonderen Ort liegt. An der Wasserscheide von West und Ost, symbolisch betrachtet an der Grenze von Leben und Tod, Licht und Schatten. Es heißt, dass dieser Ort von Gott auserwählt wurde.

Wir beginnen unseren Abstieg vom Ölberg in die Altstadt und folgen damit dem Weg Jesu wie am Palmsonntag. Im Garten Gethsemane ("Ölpresse") sehen wir auf bis zu 1500 Jahre alte Olivenbäume.

Dann geht es weiter mit Halt an einzelnen Stationen der Via dolorosa. Wir können selbst gerade nur anhand der Fotos erinnern, wo wir überall waren. Heute gibt es visuellen und auch akustischen Overflow!!!

Während des Besuchs der Grabeskirche bekommen wir eine Ahnung davon, wie kompliziert die Situation der verschiedenen christlichen Gruppen an diesem Ort und auch in der Stadt ist.

Wir versuchen uns mal an einem Vergleich, um zu beschreiben, was wir verstanden haben:

Man nehme ein Haus (Außengebäude, dass man als Grabeskirche sieht).

In diesem Haus ist es möglich, dass auf verschiedenen Ebenen/Etagen bis hin zum Keller mit Lego, Playmobil, Fischertechnik und Holzbausteinen eigene Häuser gebaut werden. Den Schlüssel für das Haus besitzt z.B. Ikea (passender Slogan: Wohnst du noch oder lebst du schon?).

All diese Firmen verbindet, dass man mit ihnen etwas bauen kann. Die Systeme sind sehr verschieden und wer sich nicht mit ihnen beschäftigt, wird nicht dahinter steigen, wie es funktioniert. Jede Firma hat ihre Fans, die von ihr überzeugt sind.

Die Firmen sollen für die verschiedenen christlichen Religionen bzw. deren Vertreter (Franziskanerorden, russisch und griechisch orthodoxe Christen, Kopten, Armenier) stehen, die in der Grabeskirche um Hoheiten und Verantwortungen ringen. Entstanden ist im Laufe der Jahre in der Kirche ein Wirrwarr an verschiedenen Kapellen, Altären und Krypten innerhalb eines Gebäudes. Alles tatsächlich auf unterschiedlichen Etagen und Ebenen. Den Schlüssel für das Eingangstor der Grabeskirche verwaltet seit Jahrhunderten die arabisch muslimische Familie namens Nuseibeh (hier der Vergleich mit Ikea). Letztlich werden aus den geplanten 20 Besichtigungsminuten eineinhalb Stunden, die Zeit vergeht wie im Flug.

Wir gönnen uns auf dem Zionsberg eine kurze Kaffeepause und begeben uns danach zum Saal des letzten Abendmahls. Vom Dach des Gebäudes genießen wir in der Abendsonne den Blick zurück auf den Ölberg, wo wir unsere Tour am Morgen begonnen haben.

Eine interessante Begegnung erwartet uns noch am Grab Davids. Wir kamen hier jüdischen Männern und Frauen während ihres Gebets am Sarg Davids sehr nahe (siehe Foto). Das Anlegen von Gebetsriemen und Kapsel wurde einem Mitreisenden aus unserer Gruppe sogar angeboten. Da die Sonne jedoch bereits untergegangen war und damit das entsprechende jüdische Gesetz nicht mehr eingehalten werden konnte, mussten wir auf diese Erfahrung leider verzichten. Doch sogar Rina war, wie wir auch, überrascht, mit welcher Offenheit die jüdischen Männer uns begegneten.

Letzte Station für uns: die Klagemauer, inzwischen ist es 18 Uhr, bereits dunkel und ziemlich kalt. Wir durchlaufen die Sicherheitsschleuse und lassen diesen besonderen Ort auf uns wirken.

5. Februar - Lehitraot Israel!

Unser letzter voller Tag bricht an. Ob all der Eindrücke wirken am Frühstückstisch manche von uns noch sehr mit sich beschäftigt. Die Reise wird nachwirken, das steht fest.  So wie wir im Vorfeld Filme angesehen und Bücher gelesen haben, um uns vorzubereiten, werden wir das wohl auch nach unserer Rückkehr machen.

Mit dem Bus fahren wir heute nach Bethlehem, die Stadt liegt im Westjordanland. Rina verlässt uns für den Vormittag, da es für Israelis ohne behördliche Erlaubnis schwierig ist, ins Palästinensergebiet einzureisen. Den Checkpoint passieren wir wieder ohne Kontrolle, der Blick auf die Mauer (8m hoch) erinnert uns an die Situation in Berlin bis 1989.

Erster Halt in Bethlehem (Hebräisch: Haus des Brotes, arabisch: Haus des Fleisches), ist für uns am „Haus des Kaufens“. Unser palästinensischer Reiseführer Nabhil lädt uns energisch ein in einem großen Souvenirshop „Pause“ zu machen. Einige üben dort schon mal das Feilschen für den morgigen Basarbesuch in Jerusalem. Von Nabhil erfahren wir dann routiniert und in Stakkato einige Fakten:

Die Mauer ist 730 km lang, 3 Millionen Palästinenser leben im Westjordanland auf einer Fläche von nur 5800 qkm. Außerdem wird das Gebiet von ca 160 jüdisch/israelischen Siedlungen zergliedert. In Bethlehem wird pro Jahr 3-mal Weihnachten gefeiert: am 24.12. römisch-katholisch, am 6. 1. griechisch-orthodox und am 18.1. armenisch (anderer Kalender).

Dann geht es auch schon biblisch-geschichtlich weiter, denn die Fahrt nach Bethlehem zur Geburtskirche dauert nur 10 Minuten.

Die Situation an der Geburtskirche ist ähnlich wie gestern an der Grabeskirche. Drei christliche Gruppen, die römisch-katholischen, die griechisch-orthodoxen und die armenischen Kirchenvertreter teilen sich Flächen und Hoheiten um den Geburtsort. Um zur Geburtsgrotte vorzudringen, warten wir mehr als 60 Minuten. Andächtige Stimmung will sich nicht einstellen. Einer ruft: “Zweete Kasse bitte!“ aber keiner nimmt es zur Kenntnis. Stattdessen wird gedrängelt und geschoben, eine Steintreppe nach unten hinein in eine z.T. mit Stoffen zugehängte Grotte. Dort empfangen uns energische Guides. Sie schieben uns zu zweit am vermuteten Geburt"fleck" und Krippenstandort vorbei, denn von hinten kommt Besuchernachschub. Den Schrein der Heiligen Drei Könige erhaschen wir nur noch aus den Augenwinkeln.

Wir verabschieden uns zügig von unserem Guide und fahren mit Rachal nach Beit shala um die dortige Deutsche Schule „Talitha kumi“ (hebräisch für "Mädchen steh auf!") zu besuchen. Aus Zeitgründen sei hier der erste link in diesem Blog eingefügt: talithakumi.ps.

Wir bekommen eine Führung von einem ehemaligen Deutschlehrer, der sehr überzeugend darlegt, dass Frieden in Israel möglich ist. Die Mitarbeiter*innen der Bildungseinrichtung sehen den Schlüssel zur Völkerverständigung in Bildung und Aufklärung sowie der Vermittlung christlicher Werte. Die Schule ist auf Spenden angewiesen (siehe link).

Letzte geführte Station unserer Reise ist Yad Vashem, Israels offizielle Gedenkstätte für die 6 Millionen jüdischen Opfer der Nazis. Das Hauptgebäude besteht aus dem Museum zur Geschichte des Holocaust. Als Besucher*in bewegt man sich durch Artefakte, Fotos und Videodokumentationen aus der Dunkelheit hinaus auf eine Terrasse mit Blick auf den Jerusalemer Wald. Am bedrückendsten ist wohl das Denkmal für die während der Shoa getöteten Kinder. Eine in den Felsen gehauene unterirdische Stätte, in der eine einzige Kerze brennt. Da diese aber von hunderten von Spiegeln umstellt ist, wird die Flamme bis ins Unendliche reflektiert. Im Hintergrund verliest eine Stimme die Namen ermordeter Kinder. Den Weg zurück zum Bus legen wir schweigend zurück.

Heute Abend sagen wir Rachal und Rina " Dankeschön und auf bald!". Morgen bleibt uns noch Zeit für einen Gang durch die Altstadt, bevor wir uns ab mittags auf die Heimreise machen und dann heißt es auch für uns: Lehitraot!  Auf Wiedersehen Israel!

6. Februar - Einer geht noch-der allerletzte Blogeintrag!!!

Auf vielfachen Wunsch gibt es heute doch nochmal einen Eintrag:

Einige von uns sind gerade in der S-Bahn auf dem Rückweg von Schönefeld. Hinter uns liegen fast 3000 Flugkilometer und wir bewältigen die 20 Grad Temperaturunterschied höchst widerwillig.

Den Morgen hatten wir zur freien Verfügung in Jerusalem. Nach den straff geplanten und begleiteten Tagen der vergangenen Woche fühlte es sich erstmal komisch an, alleine loszuziehen. Doch beim Eintauchen in die Altstadt über das Jaffa-Tor (unser Hotel lag nur 10 Minuten Fußweg davon entfernt) kamen uns manche Ecken schon recht vertraut vor.

Wer nochmals an der Klagemauer Station machte, konnte mehrere Bar-Mitzwa-Feiern beobachten. Bar Mitzwa feiern jüdische Jungen direkt nach ihrem 13. Geburtstag. Sie dürfen dann unter anderem erstmalig in der Synagoge aus der Thora vorlesen und verpflichten sich zur Einhaltung der Gebote. Wir sahen die Familien zu traditioneller Livemusik auf der Straße tanzen, sie ließen ihre Söhne hochleben und blau-weiße Luftballons in den Himmel steigen.

Einige aus unserer Gruppe nutzten die Gelegenheit zum Aufstieg auf den Tempelberg, um sich die al-Aqsa-Moschee (keine Besichtigungsmöglichkeit für Nichtmuslime) und den Felsendom aus der Nähe anzuschauen. Die Kuppel des Felsendoms ist heute mit 5000 Goldplatten überzogen, gestiftet von Jordaniens König Hussein. Die insgesamt 80 kg Gold kosteten ihn 8,2 Mio. US Dollar. Um diese Summe aufzubringen, musste er eines seiner Häuser in London verkaufen. Der Felsblock, der in der Mitte des (nicht zu besichtigenden) Felsendoms liegt, soll den jüdischen Überlieferungen zufolge den Mittelpunkt der Erde markieren.

Einige von uns trafen sich immer wieder zufällig beim Feilschen in den Basaren der Altstadt. Ob bei den Töpfern im armenischen Viertel oder bei den muslimischen Tuchhändlern, überall sind wir "... heute die ersten Kunden.." und bekommen deshalb "Sonderrabatt".  Die Sprachkenntnisse der Händler und ihre Treffsicherheit beim Erraten unserer Nationalität sind verblüffend. Sie reichen von dem üblichen "Woher in Deutschland kommst du?" über "Bayern oder nicht Bayern!" bis hin zu einem aktzentfreien " Holla, die Waldfee!".

Der Check-In am Flughafen vollzog sich dann - im Gegensatz zum Hinflug - erstaunlich unaufgeregt. Bereits im Flugzeug erinnerten wir uns angesichts eines labberigen Sandwichs der köstlichen und vielfältigen Frühstücks- und Abendbuffets. Mal schauen, ob sich beim Nachtreffen die unfreiwilligen Souvenirs auf den Hüften schon verflüchtigt haben.

Danke an alle, die mitgelesen haben, ebenso für alle Rückmeldungen und Anregungen.

Und zum Abschluss geht ein besonders herzliches Dankeschön an Bettina Walzer, die uns mit ihrer Liebe zu Israel angesteckt und diese Reise möglich gemacht hat.

 

...du stellst meine Füße auf weiten Raum:

Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche:

du bist mein Gott!

Meine Zeit steht in deinen Händen.

(Auszug aus Psalm 31)

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Letzte Änderung am: 23.02.2020