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„Spielraum – Sieben Wochen ohne Blockaden"

FASTENZEIT ONLINE

Immer Donnerstags gibt es auf unserer Homepage und auf Instagram Impulse zum Nach- und Weiterdenken.

 

 

„Sieben Wochen ohne Blockaden“ liegen vor uns. Klingt fast vermessen, oder? Selten wurden wir so umfassend ausgebremst wie jetzt, in der Corona-Pandemie. Kein Fußballtraining, kein Kino und Theater, kein entspanntes Treffen in Bars. Das Krankenhaus lässt keine Besucher*innen hinein. Die Clubs sind alle geschlossen. Diese Beschränkungen sind notwendig, wir müssen sie respektieren. Aber wir wollen in dieser Fastenzeit den Blick heben, um mehr zu sehen als nur die verschlossenen Türen. Die ausgetretenen Pfade verlassen und neue Wege entdecken. Das war schon immer das Motto der Fastenaktion „7 Wochen Ohne“. In diesem Jahr sind wir da besonders gefragt. Wir können uns als Fastengruppe nicht in der Pfarrkirche treffen und Andacht feiern. Diese Türen sind zu. Aber andere sind weit offen – die zur virtuellen Welt. Auf dem Bildschirm können wir uns digital vernetzen. Es eröffnet sich ein neuer Raum, ein großer Spielraum. Betreten wir ihn gemeinsam!

 

Und so wird es jeden Donnerstag einen Impuls auf unserer Homepage und auf Instagram geben. Ein Gedankenschnipsel, der zum Nach- und Weiterdenken einlädt. 

 

Zur Eröffnung gibt es einen Fernsehgottesdienst, der am Sonntag, den 21. Februar 2021 um 9.00 Uhr aus der Johannesgemeinde in Eltville-Erbach auf dem ZDF gesendet wird. Mit dabei sind Regionalbischöfin i.R. Susanne Breit-Keßler, 7 Wochen Ohne-Geschäftsführer Arnd Brummer und Pfarrerin Bianca Schamp. Schauen Sie einfach rein!

 

Pfarrerin Ulrike Telschow

 

 

 

 

 

Impuls für den 4. März

„Das Spiel mit dem Nein…“

…oder wenn das Leben auf dem Spiel steht.

Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich in meinem Klinikbüro. Ein paar Meter von mir entfernt ist die Geburtsstation und der Kreißsaal. Vielleicht wird genau in diesem Moment ein Kind geboren. Berherzte und besonnene Hebammen helfen Kindern ins Leben. Sie reden Mut zu, jeder Handgriff sitzt, sie wickeln das Kind in warme Tücher, legen es der Mutter an die Brust. Sie erleben den ersten Atemzug, sind dabei, wie ein kleines Leben seinen Anfang nimmt und helfen mit all ihrem Wissen, wenn das Leben es schwer hat, anzukommen.

In unserem heutigen Text wird dieses Können und Wissen auf eine Probe gestellt. Es steht viel auf dem Spiel:

Das Leben.

Der ägyptische König gab eines Tages den hebräischen Hebammen – eine hieß Schifra, die andere Pua – den Befehl: »Wenn ihr den Hebräerinnen bei der Geburt beisteht und am Geschlecht erkennt, dass es ein Junge ist, dann sollt ihr ihn töten; ist es ein Mädchen, lasst es leben.« Aber die Hebammen verehrtenGott und taten nicht das, was der ägyptische König ihnen gesagt hatte. Sie ließen auch die männlichen Kinder am Leben. Da bestellte Pharao die Hebammen zu sich und herrschte sie an: »Warum macht ihr so etwas, lasst die Jungen leben?« Die Hebammen antworteten ihm: »Die Hebräerinnen sind anders als die ägyptischen Frauen. Sie sind stark und gesund. Bevor noch eine Hebamme zu ihnen kommt, haben sie schon geboren.« Deshalb ließ Gott es den Hebammen gut gehen. Und das Volk wuchs und wurde immer stärker. 2. Mose 1,15-20

Pua und Schifra haben wenig Spielraum, doch sie nutzen ihn für die Kinder, für die Eltern, für das Leben. So

erleben es auch 2 Mütter aus dem Eltern- Kind – Kreis. Sie schreiben jede einen Brief:

Liebe Pua,

ich will Dir diesen Brief schon sehr lange schreiben- Du hingegen kannst Dich sicher kaum an mich erinnern, denn unsere Begegnung war kurz und du hast viele davon. Du hast mich empfangen und sagtest voller Begeisterung zu mir: Wir bekommen jetzt dein Kind! Ich schaute dich ungläubig an. Du kennst mich kaum und kennst mich doch, wie kaum einer sonst. An vielen Tagen denke ich an Dich und in tiefster Dankbarkeit zurück, dass Du nicht auf mich gehört hast und deiner Berufung gefolgt bist. Eine Mutter

Liebe Schifra, Liebe Pua und ganz persönlich: Liebe Katharina, ich danke euch als Hebammen, dafür, dass ihr eure Spielräume genutzt habt und hoffentlich auch in Zukunft weiter nutzen werdet. 

Wenn es zu Zeiten von Pua ein König war, der Gesetze und Vorschriften erlassen hat, um damit dem Leben und Menschen zu schaden, so sind es heute keine Könige, sondern es sind Regeln die für die Allgemeinheit gut sein sollen, aber nicht für jede Einzelperson gut sind. Und diese Spielräume zu nutzen und zu entscheiden, welche Regel, welches Vorgehen ist für diese Mutter vor mir, die Richtige und welche kann ich außer Acht lassen, das ist etwas, dass Hebammen sehr gut können und wofür ich sehr dankbar bin. Es fängt mit kleinen Dingen an die einfach nur Empathie und Fürsorge bedeuten und es hört bei wichtigen großen Gesprächen und Entscheidungen, die für oder wider Leben sein können auf.

 Ich danke jeder Hebamme, die in mein Leben kam. Entweder zur Vorsorge, Begleitung der Geburt oder Nachsorge. Ohne diese Hebammen hätte ich die erste Zeit mit meinen Kindern weniger genossen, hätte viel mehr in Angst gelebt und kaum Unterstützung gehabt. Und wenn man dann noch weiß, dass man es mit einem Menschen zu tun hat, der das Wohl von dir im Blick hat und sich nicht darum kümmert, welche Regeln schreiben irgendwelche Männer auf dem Thron oder in weißen Kitteln vor, dann fühlt man sich geborgen und sicher als Mutter. Und genau das ist Gottes Werk. Danke!

Pua und Schifra bedeuten Glanz und Ewigkeit. Mit ihrem Tun, ihrem Mut und Widerstand leben Sie Gottes Gegenwart

Ich frage mich:

In welchen Situationen in meinem Leben wurde mein Mut herausgefordert?

Wo muss und will ich mich widersetzen?

 

 

Bettina Walzer und Mütter aus der Eltern- Kind- Gruppe

Impuls für den 25. Februar

Von der Rolle…

 

 

… bin ich, wenn Gott mich ruft, 

als hätte sie mich gesucht. 

Mir ist das Eisen zu heiß, 

will weglaufen, am besten ins ewige Eis. 

Fühl mich zu klein 

und bin voll Pein. 

Will, wie Jeremia, mich nicht verwandeln, 

und nach Gottes Auftrag handeln.

 

Das Wort Gottes erreichte mich: Schon bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt. Noch bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich an mich gezogen. Zum Propheten für die Nationen habe ich dich bestimmt. Ich sagte: Ach, Gott, du göttliche Macht! Ich kann doch nicht reden, ich bin noch so jung. Gott antwortete mir: Sag nicht, ich bin noch so jung. Denn wohin ich dich schicke, dorthin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du sagen. Habe keine Angst vor ihnen, denn ich bin mit dir, um dich zu retten – so Gottes Spruch. Jer 1,4-8 aus der Bibel in gerechter Sprache

 

Dass ich von der Rolle bin, 

verstehst du also gut. 

Und trotzdem sagst du mir dahin: 

„Hab mal bloß Mut. 

Du bist ja nicht allein. 

Ich bin dein Gott und dein Lichtschein. 

Weiß, dass dir gelingt, 

was in dir schwingt." 

Und so fang ich an 

und traue mich ran. 

An das, wozu du mich rufst. 

Und irgendwie auch schufst.

 

Vielleicht wie bei Rosa Parks

der großen schwarzen Bürgerrechtlerin. 

Denn, was wär aus allem geworden, 

wär sie einfach geflohen vor ihrem Auftrag von morgen. 

Hätte den Ruf verweigert 

und sich nicht weiter im Protest gesteigert.  

Auch sie war bestimmt am Anfang von der Rolle. 

Und wurde dann doch eine Hoffnungsvolle. 

Für sich und für alle People of Colour. 

 

Also bleibt doch die Frage: 

Was will ich sein? 

Wem will ich folgen? 

Will ich fliehen oder doch lieber bleiben? 

 

Pfarrerin Ulrike Telschow

 

 

 

Foto: Rosa Parks, 1955, USIA/ National Archives and Records Administration Records of the U.S. Information Agency Record Group 306 / Unkown author / Gemeinfrei.

 

Impuls für den 18. Februar 2021

Alles auf Anfang…

…und heute geht es los mit der Fastenzeit, mit dem Erkunden von Spielräumen und dem Niederreißen von Blockaden. Denn vor uns liegen „7 Wochen ohne Blockaden“. 

 

Doch wie hängt das eigentlich zusammen mit dem Anfang und dem Spielen? Aller Anfang liegt bei Gott. Das gilt auch für die Weisheit. Doch die ist beileibe nicht so ruhig und gesittet, wie wir uns das vorstellen. Nein, sie spielt und ist dabei hoch erfreut. Doch lesen wir selbst, was die Weisheit über sich sagt. So heißt es in Sprüche 8, 23.29-31:

 

Die Weisheit spricht: Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her. Als Gott die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern. 

 

Von Anfang an gehört das Spiel und die Spielfreude dazu. Ist nicht nur etwas für Kinder, sondern für alle Alters- und Tageszeiten. Wo hängt dein Herz? Welches Spiel liebst du besonders? Bist du anders, wenn du spielst? Wann, wenn nicht jetzt, heißt es also Spielen und Spaß daran haben. Leichtigkeit neu finden und Spielräume entdecken.

 

Den passenden Soundtrack liefert für diese Woche die Band MIST mit „Something New“. Einfach hier klicken und genießen. Denn auch darin geht es um Neuanfänge, um Leichtigkeit, Spiel und Räume. 

 

Pfarrerin Ulrike Telschow 

Letzte Änderung am: 04.03.2021